Bersenbrücker Kreisblatt, 21. April 2012

Ankumerin Dagmar Wengh übergab Spenden für ein Waisenhaus in Kenia

Ankum/Nakuru. „Da war keine Traurigkeit, es gab nur ganz viel Lachen und Fröhlichkeit.“ Dagmar Wengh sprudelt nur so vor Enthusiasmus, wenn sie über ihren Besuch im kenianischen Nakuru spricht. Zehn Tage lang erlebte sie die Herzlichkeit der Menschen bei ihrem Besuch im „Holy Family Childrens Home“. Das Heim bietet verwaisten Kindern ein gut behütetes Zuhause. Dagmar Wenghs 20-jährige Tochter Tali arbeitet für ein halbes Jahr als Tagesmutter dort.

Wickeln, Spielen, Waschen, Trösten. Die Arbeit in dem Kinderheim nahe Nakuru ist anstrengend und fordernd für die Tagesmütter – die Aunties. Unter der Leitung von Schwester Alphonsa kümmern sich zwei weitere Schwestern vom katholischen Orden der „Helpers of Mary“ um die Kinder. Unterstützung bekommen sie von drei Frauen aus Kenia. Und zurzeit eben darüber hinaus von einer deutschen jungen Frau: Tali Wengh. Trotzdem bleibt oft kaum Zeit für das Nötigste.
„Wir dürfen keine deutschen Maßstäbe ansetzen“, beschreibt Dagmar Wengh. Die Kinder würden gut mit Essen versorgt, und auch auf die Hygiene würden die Aunties achten. Aber in dem Heim leben 48 Kinder im schulpflichtigen Alter im „Big Children’s Home“. Weitere 17 verwaiste, ausgesetzte und bis dahin unterversorgte Babys und Kleinkinder leben im „Little Children’s Home“. Jedes Kind hat seine eigene, bewegende Geschichte hinter sich, wenn es im Heim ankommt. Traumatisiert, misshandelt, allein. Ihre Mütter sind gestorben, mittellos oder im Gefängnis.
Vieles fehlt im Waisenhaus. Kleidung. Spielsachen. Ein Bulli. Waschmaschinen. Die Schwestern der Helpers of Mary seien auf die Unterstützung durch Spenden angewiesen, erklärt Dagmar Wengh. Für die Privatschulen, auf die die älteren Kinder gehen, kommen Paten auf. Auch die Bartholomäus-Gesellschaft Lingen unterstützt das Projekt finanziell.
Allerdings: „Die Nonnen sind sehr sparsam, vieles würden sie nie kaufen“, lacht Dagmar Wengh. Schwarze Schuhe – Vorschrift für die Schuluniform in Kenia – seien beispielsweise Mangelware. In Eigenregie sammelte sie mit Ehemann Yasunori Yamamoto und Ex-Kollegin Inge Spratte Spendengelder. 7500 Euro seien dabei zusammengekommen. „Wir haben alle Kleiderbörsen und sozialen Kaufhäuser abgegrast“, beschreibt Wengh ihren privaten Einsatz im Vorfeld.
Als Resultat seien ihre Taschen vor dem Abflug so voll gewesen, dass Wengh und Spratte viele Sachen nachschicken mussten. Außerdem im Gepäck: 700 Euro vom Adventsbasar der Oberschule Ankum, an der Dagmar Wengh unterrichtet.
Über Inge Spratte sei auch der Kontakt zur Bartholomäus-Gesellschaft und damit zum Waisenhaus zustande gekommen. Seit Jahren engagiert sich Inge Spratte als 2. Vorsitzende der Gesellschaft. War selbst oft in den Waisenhäusern der Helpers of Mary in Indien und Kenia. Kennt die Ordensschwestern.
Dagmar Wengh war zum ersten Mal in Kenia. Noch immer kann sie über vieles nur staunen, den Kopf schütteln, aber auch lachen. „Das ist ein anderes Leben. Handys, Fernseher, Computer. Die Technik ist da. Aber das restliche Leben ist 40 bis 140 Jahre zurück.“ Ihre Tochter Tali hätte in den vergangenen Tagen beispielsweise Feldarbeit geleistet – Mais und Bohnen per Hand ausgebracht.
Die Uhren ticken im ländlichen Kenia ganz anders. Auf den Fortgang der Bauarbeiten am Waschhaus beispielsweise warten die Ordensschwestern noch immer. „Da hat sich seit unserer Abreise gar nichts getan“, nimmt Dagmar Wengh mit einem Lachen hin. Sie hat sie selbst auch, eine Art kenianischer Fröhlichkeit.


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