Emsland-Kurier am Sonntag, 11.März 2012

Immer Beitrittserklärungen in der Tasche

Ein Interview des Emsland-Kuriers mit dem 1. Vorsitzenden der Bartholomäus-Gesellschaft Dr. Ernst Pulsfort über sein Engagement für die indischen „Helpers of Mary“
(Das Interview führte Wilfried Roggendorf. Das Foto, das im Artikel ist, habe ich gemacht :-) )


Emsland-Kurier: Herr Pulsfort, wieso unterstützt ein in Lingen geborener und jetzt in Berlin tätiger Pfarrer ausgerechnet den Orden der „Helpers of Mary“? Indien ist doch so weit weg.

Ernst Pulsfort:
Eigentlich (lacht) verfolgen mich die „Helpers of Mary“ schon seit meiner Jugend. Schon Anfang der 70er-Jahre gab es erste Kontakte über die Pfarrjugend von St. Bonifatius in Lingen. Die Jugendgruppe hat damals 1 000 DM für die Elektrifizierung einer Leprastation der „Marys“ in Indien gesammelt.

Emsland-Kurier: Und das Erlebnis in einer Jugendgruppe reicht aus, um direkt eine Gesellschaft zur Unterstützung der „Helpers of Mary“ zu gründen?

Ernst Pulsfort:
Nein, natürlich nicht. Das war ein langer Weg bis dahin. An meiner ersten Stelle als Kaplan, „Heilig-Geist“ in Osnabrück, habe ich die Arbeit für die „Marys“ intensiviert und 10 000 DM für ein Leprakrankenhaus der Schwestern in Bombay gesammelt. Die haben wir 1984 mit mehreren Jugendlichen aus der Gemeinde vor Ort übergeben. Als ich dann nach Nordhorn in die Pfarrei „St. Augustinus“ versetzt wurde, habe ich dort die Arbeit weitergeführt und bin 1985 wieder mit einer Gruppe Jugendlicher nach Indien geflogen, um Spenden zu übergeben.

Emsland-Kurier: Wie ist es dann zur Gründung der Bartholomäus-Gesellschaft gekommen?

Ernst Pulsfort:
Anfang der 90-Jahre gab es große wirtschaftliche Schwierigkeiten in Indien. Es kam zu Unruhen mit Tausenden von Toten. Im Januar 1993 erreichte mich dann ein Anruf der damaligen Oberin der „Marys“, Schwester Anandlata. Sie flehte um Hilfe. Die Schwestern hatten ein Flüchtlingscamp gegründet. Eine nicht zählbare Menschenmasse benötigte Essen – und die Schwestern dafür große Töpfe, aber auch Decken und, und, und… Da hatte ich die Nase voll von einzelnen kleinen „Spendenaktiönschen“, wusste, dass ich damit nicht weiterkommen würde. Was die „Marys“ brauchten war eine dauerhafte Hilfe. Ich wollte am Ende des Jahres fest mit 10 000 DM rechnen können. Also habe ich die Bartholomäus- Gesellschaft gegründet.

Emsland-Kurier: Zu dieser Zeit waren Sie als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Würzburg sowie an der Uni Mannheim tätig und sind kurz darauf als Rektor an die katholische Akademie Berlin gewechselt. Wieso hat die Gesellschaft jetzt so viele Mitglieder im Raum Osnabrück/Emsland?

Ernst Pulsfort:
Ich habe die Verbindungen nach Osnabrück und in das Emsland nie ganz aufgegeben. Und meine Bekannten dort habe ich mit Briefen regelrecht bombardiert. Ich war gerade neu in Berlin, konnte mich aber auf alte Bekannte verlassen. Die Osnabrücker Gruppe der Bartholomäus-Gesellschaft hat beispielsweise Reni Potthoff aufgebaut. Und in Lingen – ich komme regelmäßig in meine Heimatstadt – habe ich jedes Kivelingsfest, jedes Schützenfest mit einem Packen Beitrittserklärungen in der Tasche besucht.

Emsland-Kurier: Hat sich dieser Einsatz ausgezahlt?

Ernst Pulsfort:
Ich war vom Erfolg total überrascht. Schon im Gründungsjahr haben sich sehr viele Leute engagiert. Das erhoffte Ziel von 10.000 DM Spendengeldern haben wir weit übertroffen. Ende 1993 konnten wir umgerechnet 18.000 Euro an die „Helpers of Mary“ überweisen. Das war für mich aber auch Ansporn. Je größer die Bartholomäus-Gesellschaft wurde, umso mehr wollte ich draus machen. Und das hat funktioniert. Heute haben wir Mitglieder aus ganz Deutschland und zuletzt die „Marys“ mit durchschnittlich 350 000 Euro jährlich unterstützen können. Mittlerweile finanzieren Gruppen aus Deutschland praktisch fast 100 Prozent des Etats des Ordens, der vor wenigen Jahren seine Aktivitäten auch nach Kenia und Äthiopien ausgeweitet hat.

Emsland-Kurier: Sie sprachen von der Notwendigkeit dauerhafter Hilfe für die „Marys“. Zugleich scheinen Sie Dreh- und Angelpunkt der Unterstützung zu sein. Wie soll es für die Schwestern weitergehen, wenn Ernst Pulsfort einmal ausfallen sollte?

Ernst Pulsfort:
Im Oktober 2010 wurde die „Anna-Huberta-Roggendorf-Stiftung“, benannt nach der deutschen Ordensschwester und Gründerin der „Marys“, gegründet. Das Stiftungskapital von derzeit 170 000 Euro – Zustiftungen, zum Beispiel in Form von Erbschaften, sind jederzeit willkommen – soll dafür sorgen, dass die Hilfe für die in Indien und Afrika tätigen Schwestern nachhaltig gewährleistet ist.

Emsland-Kurier: Zum Vererben fülle ich mich noch etwas zu jung. Wie können die „Marys“ spontan unterstützt werden?

Ernst Pulsfort:
Zum Beispiel durch einen Besuch des Benefizkonzertes der Lingener Band „Past Perfect“. Am 17. März spielt die Gruppe um 20 Uhr im Saal auf der Lingener Wilhelmshöhe bereits ihr sechstes Konzert zugunsten der „Helpers of Mary“. Diesmal fördert die Band damit ein Projekt der Schwestern in Kenia. Schwerkranke und Hochschwangere müssen dort den Weg von fast 20 Kilometern zum nächsten Arzt oder Krankenhaus zu Fuß zurücklegen. Ein „Matatu“, so wird dort ein Kleinbus genannt, wäre eine große Unterstützung. Und dafür rockt „Past Perfect“ an diesem Abend.

Emsland-Kurier: Werden Sie das Konzert auch besuchen?

Ernst Pulsfort:
(lacht) Ja klar, geplant habe ich den Besuch jedenfalls – und das mit einem Packen Beitrittserklärungen für die Bartholomäus-Gesellschaft in der Tasche