Lingener Tagespost, 3. März 2012


Lingener Band „Past Perfect“ spielt für einen „Matatu"

Nakuru/Kenia. Schwester Alphonsa, Schwester Lizzy und Schwester Ujwala – die drei Schwestern des indischen Ordens „Helpers of Mary“ sind im Dorf Barut am Rande der kenianischen Großstadt Nakuru seit fast zwei Jahren Anlaufstelle für viele Hilfsbedürftige. Sie arbeiten in einem Waisenhaus, einer Krankenstation sowie in Selbsthilfegruppen für Aidskranke, alleinerziehende Mütter und junge Mädchen. Unterstützt werden die Schwestern seit Mitte Januar für drei Monate von der 20-jährigen Abiturientin Tali Wengh aus Ankum. Sie berichtet aus Kenia:

Die drei indischen Ordensschwestern betreuen hauptsächlich das „Holy Family Children’s Home“, das aus zwei Waisenhäusern besteht: einem für Babys und Kleinkinder und einem für Schulkinder bis zum Alter von 17 Jahren. Zurzeit beherbergt das sogenannte „Big Children’s Home“ 62 Mädchen und Jungen. Die meisten von ihnen wurden in ganz unterschiedlichem Alter ausgesetzt – in Kenia keine Seltenheit, für uns ganz unvorstellbar. Von einigen Kindern sind die Eltern jedoch auch verstorben.
Im „Little Children’s Home“ leben zwischen zehn und 20 Kinder. Die Anzahl schwankt, da Kinder auch vorübergehend in Obhut genommen werden, wenn ihre Eltern zum Beispiel gerade im Gefängnis sind, oder Eltern, die ihre Kinder ausgesetzt haben, sich wiederfinden lassen.
Des Weiteren betreiben die Schwestern eine Krankenstation, die „Dispensary“, in der sich Einheimische ambulant behandeln lassen können. Eine große Bedeutung hat dabei die Betreuung von Schwangeren. Problematisch ist jedoch, dass es bisher nicht möglich ist, die Hochschwangeren und Schwerkranken auf schnellstem Wege in das knapp 20 Kilometer entfernte Krankenhaus in Nakuru zu befördern. Sie sind auf Fahrrad- und Motorradtaxis oder den nur selten fahrenden Bus angewiesen.
Statt 30 bis 40 Minuten dauert die Fahrt so oft Stunden. „Was für eine Qual die beschwerliche lange Fahrt für eine Hochschwangere ist“, gibt Oberin Sr. Alphonsa mir zu bedenken. „Wir leiden mit den Kranken und Schwangeren mit.“ Mir ist klar: Die Schwestern benötigen dringend einen sogenannten „Matatu“, einen Kleinbus, mit dem sie u.a. Krankentransporte schnell selbst durchführen könnten.
Auch für den Tagesablauf der Schulkinder des Waisenhauses, der für Deutsche schwer vorstellbar ist, wäre ein Matatu eine große Hilfe. Derzeit stehen die Kinder morgens um 4.30 Uhr auf, müssen spätestens um 6 Uhr das Haus verlassen und zu Fuß zur Schule gehen bzw. die gesamte Strecke rennen. So benötigen sie „nur“ 45 Minuten. Würden sie sich nicht so beeilen, müssten sie sich noch früher auf den Weg machen. Ein Bus fährt um diese Zeit noch nicht.

Mehr Zeit für die Kinder

Abends gegen 18 Uhr kehren die Schüler zurück – zu Fuß natürlich. Somit verbringen die Waisenkinder des „Holy Family Children’s Home“ zwölf Stunden außer Haus. Und haben verständlicherweise immer schnell kaputte Schuhe. „Wenn wir den Matatu hätten, könnten die Kinder morgens länger schlafen und abends länger spielen“, erklärt Schwester Alphonsa.
Ein weiteres Problem im Waisenhausbetrieb ist der Transport des Einkaufs, der bei der Versorgung von rund 80 Kindern natürlich sehr umfangreich ausfällt. Eingekauft wird in der Stadt Nakuru momentan mit einem normalen Pkw. Mit einem Van könnte deutlich mehr transportiert und somit viel Zeit eingespart werden, die den Kindern zugute käme.
Die Arbeit im Waisenhaus ist tagsüber, wenn die größeren Kinder in Kindergarten und Schule sind, geprägt von der Versorgung der derzeit zwölf Babys und Kleinkinder sowie Putzen und Wäschewaschen. Unterstützt werden die Schwestern dabei von zwei einheimischen Angestellten am Tag und einer für die Nacht, von den „Aunties“. Da die gesamte Wäsche von Hand gewaschen werden muss, bleibt deutlich weniger Zeit für die Versorgung der Kleinen, wenn die Schwestern zum Einkaufen unterwegs sind. Je weniger Zeit diese weg sind, umso mehr Fürsorge und Förderung kommt also den Kindern zugute – für mich eine Herzensangelegenheit. Momentan bin ich da und kümmere mich viel um die Kleinen, aber das wird ab Mitte April ja wieder anders.
Finanziert wird die Arbeit zum größten Teil von der Bartholomäus-Gesellschaft (siehe Infobox). Das große Ziel der Bartholomäus-Gesellschaft ist es, den Kauf eines Kleinbusses zu ermöglichen. Dafür setzt sich auch die Lingener Band „Past Perfect“ ein. Der Erlös ihres Benefizkonzerts am 17. März, 20 Uhr, im Saal der Wilhelmshöhe in Lingen ist für den Kauf des „Matatu“ bestimmt.
Karten gibt es im Bürgerbüro der Stadt Lingen, bei Appelhans in der Burgstraße sowie an der Abendkasse. Der Eintritt kostet 10 Euro. Mehr Informationen über die Arbeit der Schwestern in Kenia unter www.tali-in-kenia.de.Weitere Informationen zur BartholomäusgesellschaftDie 1993 gegründete Bartholomäus-Gesellschaft e.V. unterstützt den indischen Orden „Helpers of Mary“ (www.helpersofmary.org). Etwa die Hälfte der 1300 Mitglieder stammt aus dem Raum Osnabrück/Emsland. Im Jahr 2011 konnte der Verein, dessen Vorsitzender der aus Lingen stammende Pfarrer Dr. Ernst Pulsfort ist, mehr als 330000 Euro für Projekte der „Marys“ nach Indien, Äthiopien und Kenia überweisen. In Lingen unterstützt die Rockband „Past Perfect“ seit sechs Jahren die Gesellschaft mit einem jährlichen Benefizkonzert. Weitere Informationen zur Bartholomäus-Gesellschaft und Ansprechpartner sowohl im Emsland als auch im raum Osnabrück sind im Internet unter www.bartholomäus.org zu finden. Spendenkonto-Nr. 270100555, Sparkasse Mainfranken, BLZ 79050000.